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Johann Matthaus DILGES
1834-1914

Johann Matthäus war im kleinen Dörfchen Oes geboren, das jetzt ein Teil von Hausen ist und einige Kilometer westlich von Nieder-Weisel in den Vorbergen des Taunus liegt. Bei seiner Geburt um 7 Uhr am 7. März 1832 wurde er von seiner Mutter Elisabetha Jung, einer Tochter von Jakob Jung, als zweites ungesetzliches Kind registriert - eine ältere Schwester war 1829 geboren gewesen. Der Vater beider Kinder war Johann Matthäus Dilges, der damals im 4. Regiment der Armee des Großherzogs von Hessen-Darmstadt diente. Nachdem er die Erlaubnis von seinem Oberst empfangen hatte, wurden er und Elisabetha in der Gemeindekirche in Hausen am 27. April, sieben Wochen nach der Geburt ihres Sohns getraut. Der Bräutigam bestätigte die Vaterschaft formal zu beiden Kindern, die durch den Ehevertrag legitimisiert wurden.

Die Vorfahren von Johann Matthäus hatten im Dorf seit Generationen Land bewirtschaftet. Vor der Umwälzung durch die napoleonischen Kriege genoss die Familie einen erblichen Anspruch über die Ländereien, aber dieser ging nach den administrativen Veränderungen verloren, die im frühen 19. Jahrhundert stattfanden. Johann Matthäus senior musste nach anderen Quellen für seinen Lebensunterhalt suchen und hatte entschieden, in der Armee als Söldner zu bleiben, nachdem er die vorgeschriebenen Mindestzeit gedient hatte. Er und seine Frau hatten fünf Kinder in ihrer Ehe, ein Kind starb bald nach der Geburt. Sie erhielten eine rudimentäre Ausbildung in der Dorfschule in Hausen, bevor sie nach der Konfirmation mit 14 außer Haus gingen, um Geld zu verdienen. Johann Matthaus junior lernte den Beruf des Schmieds und verließ seine Heimat, um Berufserfahrungen auf der Wanderschaft zu bekommen. Auf einer dieser Wanderungen traf er Christina, die jüngste Tochter von Konrad Zeiss, einem Leinenweber im nahe liegenden Nieder-Weisel, und seiner Frau Katharina geborene Häuser, Tochter des Dorfbäckers; Christina war drei Jahre jünger als er.

Sie verliebten sich und das Paar trat vor den Altar in der Kirche in Nieder-Weisel. Der Pate des Bräutigams, sein Onkel Johann Matthäus Jung, kam von Hausen, um sein Trauzeuge zu sein und der Vater der Brautmutter, Johann Jakob Häuser IX, war Trauzeuge von ihrer Seite. Christina bekam ihr erstes Kind am 21. Juli 1856, benannt nach ihrer Mutter aber Johann Matthäus hatte bereits entschieden, in die Goldfelder Victorias auszuwandern. Das Baby ließen sie bei einer Pflegemutter (eine von Christinas Schwestern), und sie segelten am 27. Mai 1857 auf der „Sir W F Williams“ mit 25 anderen Dorfbewohnern los. Es gab viele Prämien-Passagiere an Bord, die die Stadt Hobart zum Ziel hatten, so kamen die Nieder-Weiseler zuerst nach Tasmanien. Sie beendeten die Reise nach Melbourne mit dem Küstendampfer am 31. August - drei Wochen bevor ihre Tochter in Nieder-Weisel starb.

Johann Matthäus versuchte sein Glück auf den Goldfeldern in  Ballarat, möglicherweise erfolgreich, da er bald in der Lage war, selbst eine Werkstatt als Schmied zu eröffnen. Er war einer von den frühesten Nieder-Weiseler Emigranten, die britische Bürger wurden. Ihm wurden die Einbürgerungspapiere am 18. Juli 1864 bewilligt. Der Schmied Dilges in der Plank Street in Ballarat wurde sowohl von Geschäftsleuten stark frequentiert, als auch von den vielen Deutschen, die in der Region lebten, als ein bevorzugter Treffpunkt.

Im Hintergrund übernahm Christina die Aufgaben der Kindererziehung und der Haushaltsführung für ihre Familie mit drei Söhnen und fünf Töchtern. Unvermeidlich gab es Schicksalsschläge - ihr erstgeborener Sohn und zwei der Mädchen starben an Kinderkrankheiten.

Johann Matthäus war in seinem Geschäft erfolgreich und wurde ein Hotellizenznehmer, nachdem er sich von der Schmiedewerkstatt zurückgezogen hatte. Er war in den Gemeinde-Angelegenheiten und im deutschen Verein aktiv, dessen Mitglieder die Eskorte zur Verfügung stellten, als er auf dem alten Friedhof bei Ballarat am 21. Januar 1914 begraben wurde. Ihm wurde ein einzigartiges Denkmal 50 Jahre später gegeben, als eine Replik seiner Schmiedewerkstatt in einem Minen-Museum in Sovereign Hill in Ballarat aufgebaut wurde, das jede Woche von Tausenden Touristen besucht wird.

Christina durchlebte die Kriegsjahre und wurde mit eigenen Rechten 1914 eingebürgert. Sie starb 1919 und wurde bei Johann Matthäus beerdigt.

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